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Stadtbildkommissionen – Fundamente der Baukultur – BSA/FAS

«Wichtig ist, dass die Politikerinnen und Politiker sehen, wie wir arbeiten»

Caspar SchärerPublikation bestellen

mündlich geführtes Interview mit Roger Boltshauser, dipl. Arch. ETH SIA BSA, Mitglied des Baukollegiums der Stadt Zürich. Roger Boltshauser war zum Zeitpunkt des Interviews Mitglied der Stadtbaukommission Luzern; seit 2018 ist er im Baukollegium der Stadt Zürich.

 

Caspar Schärer:  Welche Rolle nehmen Sie ein im Stadtbaukommission Luzern?

Roger Boltshauser: Ich war einer von vier externen Fachexperten.

Welche Bedeutung hat nach Ihrer Einschätzung die Stadtbaukommission Luzern in der politischen Landschaft?

Mein Eindruck ist, dass Verwaltung und Politik froh sind um die Stellungnahmen des Baukollegiums.

Illustration: Büro Berrel Gschwind

Wie erlebten Sie die Zusammenarbeit in der Luzerner Kommission? Wie kommt es zu Entscheidungen?

Die Stadträtin Manuela Jost nahm nur ganz zu Beginn ihrer Amtszeit an unseren Sitzungen teil, um sich zu informieren, wie wir so ticken. Soviel ich weiss war sie sehr beeindruckt von der Art und Weise, wie wir zu Entscheidungen beziehungsweise Empfehlungen kamen. Später wurde sie regelmässig vom Präsidenten informiert.
Der Stadtarchitekt und der Präsident machten zusammen die Triage der Projekte, organisierten für uns eine Begehung vor Ort und verfassten im Vorfeld einen Bericht. Das war immer alles sehr gut vorbereitet. Nach der Präsentation der Architekten gaben wir eine Empfehlung ab.

Wie schätzen Sie die Aussensicht auf die Kommission ein? Wird ihre Arbeit gewürdigt und anerkannt?

Ich hatte immer das Gefühl, dass die Luzerner Stadtbildkommission von der Politik unterstützt wird. Es gab vielleicht zwei oder drei Fälle, die für Unmut sorgten und zu Diskussionen auf politischer Ebene führten. Die Stadträtin hat sich aber hinter unsere Empfehlungen gestellt.

Was könnte man evtl. tun, um die Anerkennung zu verbessern?

Wichtig ist, dass die Politikerinnen und Politiker sehen, wie wir arbeiten. Stadtbildkommissionen haben ja oft einen zwiespältigen Ruf. Deshalb rate ich, dass sie dazu beitragen, dass eine Situation nicht eskaliert. In Luzern haben der Stadtarchitekt und der Präsident in kniffligen Fällen immer das persönliche Gespräch gesucht. Ein wichtiges Thema in der Luzerner Kommission war zu meiner Zeit – und ist wahrscheinlich heute noch – die Innenentwicklung. Wir haben oft über das «erträgliche Mass» von Bebauungsdichte gesprochen und von Bauherren Aussagen über die Dichte verlangt. Bei einigen Projekten mussten wir sie auffordern, einen Wettbewerb durchzuführen, weil die anvisierte Dichte nicht ohne Weiteres qualitativ umsetzbar gewesen wäre. Damit haben wir uns natürlich nicht nur Blumensträusse geholt…

Wären aus Ihrer Sicht öffentlich kommunizierte Entscheide und ihre Begründungen sinnvoll bzw. interessant?

Öffentlich beurteilen möchte ich nicht, aber öffentlich kommunizieren fände ich interessant. Generell halte ich es für wichtig, dass die Arbeit der Kommission kommuniziert wird.

Könnten Sie sich vorstellen, die Aufgaben der Kommission auszuweiten? Auf welche Gebiete?

Interessant wäre die Möglichkeit, Inputs und Anstösse zu planerischen Themen geben zu können. Eine Kommission kann dabei helfen, die Basis für ihre Empfehlungen zu verbessern oder überhaupt erst zu legen. In Luzern ist die Führung der Tourismusströme ein grosses Thema, Stichwort Standplätze für Reisecars. Zu diesem Thema haben wir versucht, einen Planungsprozess anzustossen. Solche «Einmischung» wird aber oft nicht gerne gesehen.

Wünschen Sie sich eine klarere Verbindlichkeit Eurer Entscheide gegenüber der Politik und den Behörden?

Das halte ich nicht für zwingend nötig. Durch die Empfehlung bleibt ein Spielraum offen und eine Kommission kann freier entscheiden. Ansonsten droht sie zu einer Verwaltungsinstanz zu werden. Es ist nicht alles Schwarz-Weiss.

Roger Boltshauser